Projektbericht: Energie, IIoT, E-Mobilität
EcoPulse - Plattform für Energiemonitoring und Laststeuerung
Fünf getrennte Verarbeitungsstufen von der Modbus-Anbindung an der Anlage bis zum Angular-Dashboard - Architektur, Entwicklung, Qualitätssicherung und Betrieb bei uns.
- Branche
- Energie, IIoT, E-Mobilität
- Systemtyp
- Verteilte Plattform, Edge bis Web
- Rolle von AereA
- Architektur, Entwicklung, QA, Betrieb
- Betriebsform
- On-Premises, Cloud oder hybrid

Ausgangslage
Heterogene Energie- und Ladeinfrastruktur ohne gemeinsame Datenbasis: jeder Hersteller mit eigener Schnittstelle, keine belastbare Grundlage für Lastentscheidungen.
Lösungsansatz
Fünf klar getrennte Verarbeitungsstufen: Edge-Anbindung, Ingest über MQTT und Kafka, State-Projektion in TimescaleDB, versionierte REST-API mit Live-Stream, Angular-Oberfläche.
Ergebnis
Preis- und CO₂-optimiertes Laden und Speichern auf Basis von Day-Ahead-Preisen europäischer Gebotszonen, mit automatisierter Lastverschiebung und Speichersteuerung.
Ergebnisse auf einen Blick
- 20 angebundene Geräte- und Herstellertypen über Modbus, SunSpec und herstellerspezifische Schnittstellen
- Über 90 % Testabdeckung über alle Microservices, als Pflicht-Gate in der CI
- Lastverschiebung und Speichersteuerung als automatisierte Eingriffe statt manueller Regelung
- Seit 2 Jahren im Betrieb und weiter im Ausbau
- Day-Ahead-Preise europäischer Gebotszonen und CO₂-Intensität des Netzes als Eingangsgrößen der Optimierung
- Natürlichsprachlicher Zugang zu Anlagenzustand und Auswertungen über eine STT → LLM → TTS-Pipeline
- Metriken, Logs und Traces durchgängig über Grafana, Prometheus, Loki und OpenTelemetry
Ausgangslage
Energie- und Ladeinfrastruktur wächst selten geplant. Sie wächst in Schritten: erst die Photovoltaik, dann der Speicher, später die Wallboxen, irgendwann ein zweiter Zähler für den neuen Gebäudeteil. Jedes Gerät bringt seine eigene Schnittstelle mit, jeder Hersteller sein eigenes Datenmodell.
Das Ergebnis ist ein Betrieb, der viele Zahlen hat und trotzdem keine Entscheidungsgrundlage: Der Wechselrichter kennt seine Erzeugung, die Wallbox kennt ihren Ladezustand, der Zähler kennt den Netzbezug - aber niemand kennt das Gesamtbild zum selben Zeitpunkt.
Aufgabenstellung
Gesucht war keine Visualisierung, sondern eine Entscheidungsgrundlage. Die Plattform sollte:
- Geräte unterschiedlicher Hersteller anbinden, ohne dass jede neue Geräteklasse die Auswertung anfasst,
- Telemetrie in einer gemeinsamen, zeitlich hochauflösenden Datenbasis zusammenführen,
- daraus automatisiert Lade-, Entlade- und Lastverschiebungsentscheidungen ableiten,
- und beides können: on-premises laufen oder in der Cloud.
Architekturentscheidungen
Die Plattform ist als ereignisgetriebene Microservice-Landschaft in fünf klar getrennten Verarbeitungsstufen aufgebaut. Die Trennung ist der Kern des Entwurfs: Sie erlaubt, eine Stufe zu ändern, ohne die anderen anzufassen.
- Geräteanbindung / Edge - Wechselrichter und Zähler über Modbus und SunSpec, Ladeinfrastruktur und Fremdsysteme über herstellerspezifische Schnittstellen. Vorverarbeitung und Normalisierung passieren nahe am Gerät, damit nur belastbare Werte weiterlaufen.
- Ingest & Streaming - Aufnahme der Telemetrie über MQTT, Weiterverarbeitung über Kafka beziehungsweise Redpanda. Erfassung, Verarbeitung und Auswertung sind damit entkoppelt: Ein Ausfall der Auswertung kostet keine Messwerte.
- State-Projektion - Ableitung des aktuellen Anlagenzustands aus dem Ereignisstrom, Persistenz historischer Verläufe in PostgreSQL mit TimescaleDB, Caching heißer Werte in Redis.
- REST-API & Live-Stream - versionierte REST-/OpenAPI-Schnittstelle für Abfragen und Konfiguration, SignalR für die Push-Aktualisierung der Oberfläche.
- Weboberfläche - Angular-Frontend mit Echtzeit-Dashboards, historischen Auswertungen und Steuerungsfunktionen.
Warum ereignisgetrieben
Ein Energiesystem ist ein Strom von Ereignissen, kein Zustand, den man abfragt. Die ereignisgetriebene Verarbeitung hat drei praktische Konsequenzen: Historische Verläufe sind vollständig rekonstruierbar, neue Auswertungen lassen sich auf vorhandenen Daten nachrüsten, und Lastentscheidungen sind im Nachhinein nachvollziehbar - was bei automatisierten Eingriffen in eine Anlage keine akademische Eigenschaft ist.
Umsetzung
Marktdatenintegration
Day-Ahead-Strompreise aus europäischen Gebotszonen und CO₂-Intensitätsdaten des Netzes laufen als Eingangsgrößen in die Optimierung ein. Damit entscheidet die Anlage nicht nur nach Eigenverbrauch, sondern nach Preis und Emissionsintensität.
Prognose und Optimierung
Vorhersagemodelle für Strompreis, Erzeugung und Verbrauch bilden die Grundlage für Lade- und Entladestrategien der Speicher sowie für die zeitliche Verschiebung flexibler Lasten. Trainiert und ausgewertet wird auf den hochauflösenden Zeitreihen der Plattform selbst - mit Python, Pandas, NumPy und scikit-learn gegen TimescaleDB.
Lastmanagement
Peak-Shaving, Eigenverbrauchsoptimierung und dynamische Bilanzierung zwischen Netzbezug, Speicher und Erzeugung. Für die E-Mobilität kommen Ladeinfrastruktur und fahrzeugseitige Datenquellen hinzu - Ladezustand und Standort erlauben ladezeitpunkt- und preisoptimiertes Laden.
KI-Assistenz
Anlagenzustand und Auswertungen sind zusätzlich natürlichsprachlich zugänglich, über eine STT → LLM → TTS-Pipeline. Der praktische Nutzen liegt weniger in der Sprache als in der Abfrage: Wer nach „Wie war der Eigenverbrauch letzte Woche im Vergleich zum Vorjahr?" fragt, muss kein Dashboard bedienen können.
Qualitätssicherung
Die Testarchitektur ist der Teil dieses Projekts, auf den wir am ehesten verweisen, wenn jemand wissen will, wie wir arbeiten.
- Automatisierte Tests über sämtliche Microservices hinweg - von der Geräteanbindung über die Streaming-Verarbeitung bis zur Weboberfläche.
- End-to-End-Tests gegen eine real hochgefahrene API, inklusive echter Datenbank über Testcontainers und einschließlich Autorisierungs- und Fehlerpfaden. Nicht gegen Mocks: Ein Mock bestätigt die eigene Annahme, eine echte Datenbank widerspricht ihr.
- Frontend-Tests der Angular-Oberfläche - Komponenten-, Service- und Verhaltenstests als verpflichtendes CI-Gate.
- Test-Driven Development (red/green/refactor) als verbindlicher Teamstandard.
- Validierung von Streaming- und Echtzeitdaten sowie zeitreihenbasierter Auswertungen - der Teil, den Standardtestwerkzeuge nicht abdecken.
- Reproduzierbare Testumgebungen und synthetische Testdatenbestände über Docker und Testcontainers.
Betrieb
Metriken, Logs und Traces laufen durchgängig über Grafana, Prometheus, Loki und OpenTelemetry. Bei einer Plattform, die automatisiert in eine Anlage eingreift, ist Observability keine Betriebszugabe, sondern Teil der Sicherheitsargumentation: Jede Entscheidung muss im Nachhinein erklärbar sein.
Fazit
EcoPulse zeigt das Muster, nach dem wir Systeme dieser Art bauen: Verarbeitungsstufen sauber trennen, Geräteanbindung isolieren, Entscheidungen aus einem Ereignisstrom ableiten statt aus Momentaufnahmen - und die Testarchitektur so aufsetzen, dass sie die Fehler findet, die in verteilten Systemen tatsächlich auftreten.
Technologien
Häufige Fragen
Lässt sich EcoPulse an bestehende Anlagen anschließen?
Ja. Die Geräteanbindung liegt in einer eigenen Verarbeitungsstufe. Wechselrichter und Zähler kommen über Modbus und SunSpec herein, Ladeinfrastruktur und Fremdsysteme über herstellerspezifische Schnittstellen. Eine neue Geräteklasse betrifft nur diese Stufe, nicht die Auswertung.
Läuft die Plattform in der Cloud oder vor Ort?
Beides. Die Stufen sind über MQTT und Kafka entkoppelt, deshalb kann die Erfassung vor Ort bleiben, während Auswertung und Oberfläche extern laufen. Bei Anlagen mit Datenhoheitsauflagen betreiben wir den vollständigen Stack on-premises.
Wie wird eine Plattform mit so vielen Fremdgeräten getestet?
Über drei Ebenen: Unit-Tests je Service, Integrationstests gegen real hochgefahrene Datenbanken mit Testcontainers und End-to-End-Tests gegen die laufende REST-API inklusive Autorisierungs- und Fehlerpfaden. Für Geräte, die im Test nicht verfügbar sind, arbeiten wir mit synthetischen Telemetrie-Beständen.
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